Lernwerkstatt Lübeck - Praxis für Lerntherapie

Dyskalkulie

Sophie ist zehn, sie geht in die vierte Klasse. Ihr Lieblingsfach ist Deutsch, im Schreiben und Lesen ist sie ganz groß. Eigentlich geht sie sehr gern in die Schule - wenn nur Mathe nicht wäre! Hier hat sie sehr große Schwierigkeiten, versteht oft überhaupt nicht, was von ihr verlangt wird. Von ihrem Lehrer hört sie Sätze wie:" Du bist doch sonst nicht so dumm!" Und auch ihr Vater verliert in letzter Zeit immer öfter die Geduld, wenn er ihr die Aufgaben erklären will. Neuerdings bekommt Sophie vor jeder Mathestunde Bauchweh.

Sophie leidet an Dyskalkulie.


 Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Kinder mit Dyskalkulie sind meist nicht oder nur unter größten Mühen in der Lage, die Grundrechenarten anzuwenden. Sehr oft kann keine Verbindung zwischen einem Zahlenwert und der entsprechenden Menge hergestellt werden. Maßeinheiten (Längenmaße, Gewichte, Zeiträume, Geld) können nicht erfasst und rechnerisch umgesetzt werden. Dyskalkule Kinder rechnen ungewöhnlich lange mit Hilfsmitteln, wie den Fingern. Besonders große Schwierigkeiten bereitet ihnen der Übergang vom Zehner- in den Hunderter- oder Tausenderraum. So weiß das Kind vielleicht, dass 5 + 3 = 8  ergibt, kann dieses Wissen jedoch nicht auf die Aufgabe 25 + 3 übertragen.

Als besonders schrecklich empfinden viele dyskalkule Kinder Textaufgaben - hier müssen sehr viele Informationen gefiltert und in Beziehung gesetzt, Fragen und Antworten müssen auf den Text bezogen formuliert und schließlich muss - möglichst richtig - gerechnet werden. Hiermit sind viele Dyskalkuliker hoffnungslos überfordert.

Auch die Dyskalkulie hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun - und ebenso wie eine Legasthenie "verschwindet" eine Dyskalkulie nicht einfach irgendwann. Gezieltes und individuelles Training ist unerlässlich, um aus dem Teufelskreis Rechenstörung - Frustration - vermindertes Selbstwertgefühl zu entkommen.